Donnerstag, 15. Juni 2017

Tante Emmas Laden

Liebe Freunde meines Lesebuchs,
 
es ist kaum zu glauben, wie schnell die Zeit davonrennt! Kaum ist meine Autorenlesung vorüber, ist auch schon wieder Reizwortgeschichten-Tag ... 
 
Dieses Mal standen folgende Reizwörter zur Verfügung:

 
Krämerladen - Bierflaschen - suchen - lesen - staubig
 
In meiner heutigen Geschichte geht es um ein immer mehr um sich greifendes Phänomen - das Ladensterben. Immer mehr kleine Geschäfte und Läden müssen - gerade in der Großstadt - schließen, weil große Ladenketten sie mit Billigangeboten (oder manchmal auch unlauteren Methoden) in die Knie zwingen.
 
Auch der Dorfladen von Ottilie Brumml ist so ein Geschäft, das zwar nicht ums finanzielle Überleben kämpfen muss, aber trotzdem beinahe endgültig geschlossen wird - wären da nicht ...  
 
Aber lest einfach selbst!
 
Ich wünsche Euch viel Spaß - und ein wunderschönes, sonniges Wochenende!
 
Eure Geschichten-Erzählerin
 
Ach ja: Und vergaßt nicht, bei meinen lieben Kolleginnen nachzuschauen.
 
 
 
  Lore
 
Bestimmt gibt es auch dort eine neue Reizwort-Geschichte!
 
 
 
 
 
Tante Emmas Laden 
Ihr richtiger Name ist Ottilie Brumml. Aber so nennt die alte Bäuerin kein Mensch - auch sie selbst hat ihren eigentlichen Namen fast vergessen. Für jedermann im Dorf und weit über die Grenzen hinaus ist sie einfach nur „Tante Emma“. Zum einen, weil sie den einzigen Tante-Emma-Dorfladen weit und breit führt - und zum anderen, weil ihr Nachname nicht im Geringsten zu ihr passt. Im Gegenteil - Ottilie Brumml ist eine Seele von Mensch. Niemand hat sie je schimpfen oder gar fluchen hören. Jeden Kunden - egal, ob er aus dem Dorf oder der nahegelegenen Großstadt kommt - bedient sie mit der gleichen Freundlichkeit. Für jedermann hat sie ein offenes Ohr, und besonders die Kinder  lieben „Tante Emma“ heiß und innig - hat sie doch immer ein Glas mit Gummibärchen, Schokolade oder Kaugummi bereit stehen, aus dem sich die Kleinen bedienen dürfen.
Obwohl Ottilie Brumml  mittlerweile die achtzig überschritten hat, steht sie immer noch jeden Vormittag in „ihrem“  Krämerladen  und  verkauft nicht nur Butter, Milch, Marmelade und Honig - Erzeugnisse, die sie auf dem Bauernhof ihres Mannes selbst herstellt -, sondern auch Salat, Gemüse, Kartoffeln, Äpfel und Birnen, Käse und Eier - also sämtliche Produkte, die in den umliegenden Bauernhöfen erzeugt werden. Nur die schweren Kisten mit Obst und Gemüse schleppt sie nicht mehr selbst - das erledigen Matthias und Korbinian, ihre beiden Enkelsöhne, für sie.
Ottilie Brummls kleines Geschäft ist ein  Juwel - eins von jener Sorte, wie sie heutzutage nur noch selten zu finden sind. In der Großstadt überhaupt nicht - und selbst auf dem Land haben inzwischen  Supermärkte und Discounter langsam, aber sicher die kleinen Dorfläden verdrängt.
Es ist ja auch viel bequemer, mit dem Auto auf einen riesigen Parkplatz zu fahren, seinen Einkaufswagen mit allem vollzuladen, was eine sechsköpfige Familie in den nächsten drei Wochen benötigen wird (auch wenn man gar keine Kinder hat ...), und dann wieder eine Weile vom Einkaufsrummel verschont zu sein. Dass die Ware aus den Supermärkten nicht  unbedingt dem Anspruch an Frische genügt, nimmt man dabei in Kauf.  Es ist billig, es geht schnell - und das alleine ist wichtig. Zeit ist schließlich Geld!
Niemand hat mehr Lust, endlos im Metzgerladen oder beim Bäcker herumzustehen, sich den neuesten Klatsch aus der Nachbarschaft anzuhören, zu warten, bis Oma Grünke endlich ihre beiden Sorten Wurst ausgewählt oder die beiden unterschiedlichen Brötchen geordert hat, und dann den Inhalt ihres Geldbeutels auf die Theke kippt, auf dass die nette Verkäuferin sich das passende Geld heraussuchen möge. Oma Grünke sieht leider nicht mehr so gut ...
Jeden Vormittag, wenn der Tante Emmas Laden geöffnet ist, stehen nicht nur die Einwohner des Dorfes, sondern auch viele Kunden aus der nahen Großstadt hier Schlange. Denn sie wissen: Bei Ottilie Brumml bekommen sie frisch geerntete Salatköpfe, Schalen mit Erdbeeren direkt vom Feld, dicke Blumensträuße aus den Bauerngärten und Kartoffelsorten, die man in keinem Supermarkt kaufen kann.
Auch Christiane Buchbinder, die mit ihrem Mann am Stadtrand wohnt, kommt regelmäßig in Ottilie Brummls Bauernladen. Seit die Kinder ausgezogen sind, fährt das Ehepaar mindestens zweimal die Woche hierher. Die Lebensmittel sind zwar teurer als im Supermarkt - doch man merkt den Unterschied nur allzu deutlich! 
In den letzten Wochen waren Christiane und Paul Buchbinder allerdings nicht  hier - sie haben sich einen lange gehegten Wunsch erfüllt und sich eine Karibik-Kreuzfahrt gegönnt.
Als sie heute vor Tante Emmas Dorfladen vorfahren, ist das Geschäft geschlossen. Keine Holzkisten mit Kartoffeln, Krautköpfen und Äpfeln stehen davor. Die beiden bunten Sonnenschirme mit dem Werbeaufdruck eines Eisherstellers sind zusammengeklappt und mit einem Gummiband gesichert. Die Türe, die sonst einladend offen steht, ist abgesperrt, die grünen Fensterläden verriegelt. Merkwürdig!
Christiane steigt aus dem Auto, um den Zettel zu lesen, der mit Heftpflaster an die Türe geklebt wurde.
„Wegen Hygienemängeln und Verletzung der Ladenschlusszeiten ist dieses Geschäft bis auf Weiteres geschlossen!“
steht da zu lesen. Darunter ein Datum, ein amtlicher Stempel der Lebensmittelkontroll-Behörde, und eine krakelige, völlig unleserliche Unterschrift. Das ist alles.
„Das kann doch wohl nicht wahr sein!“, sagt Christiane Buchbinder ungläubig, als sie wieder zu ihrem Mann ins Auto steigt. „Hygienemängel - dass ich nicht lache! Das ist schließlich ein Bauernladen - und kein Operationssaal! Was machen wir denn nun?“
„Nach Hause fahren - was sonst?“, antwortet Paul, pragmatisch wie immer.
„Bevor ich nicht weiß, was genau hier los war, gehe ich nicht!“ Empört wirft Christiane den Kopf zurück. „Mir sagt mein Gefühl, dass da irgend etwas entschieden nicht stimmt!“
Paul seufzt. Er weiß aus Erfahrung: ehe seine Frau nicht die Hintergründe dieser Ladenschließung ausgekundschaftet hat, wird sie keine Ruhe geben. Christiane ist nicht nur privat neugierig wie eine Elster. Vor ihrer Pensionierung war sie als Redaktionsassistentin bei der örtlichen Tageszeitung tätig - das Aufspüren von interessanten Neuigkeiten liegt ihr auch Jahre nach Berufsende noch immer im Blut.
„Also, tu schon, was du nicht lassen kannst!“, meint er ergeben. „Ich gehe einstweilen hinüber in den „Dorfkrug“ und trinke einen Kaffee!“
„Ich komme mit!“, sagt Christiane entschlossen. „Der Wirt weiß mit Sicherheit Bescheid. Und wenn nicht, kann er mir vermutlich sagen, wo ich Tante Emma oder ihre Enkelsöhne finden kann!“
Die Tür zur Gaststätte ist nur angelehnt. Drinnen ist es wundervoll kühl - aber außer dem Gastwirt, der gelangweilt am Tresen lehnt und mit einem nicht eben sauberen Lappen an einem Weizenglas herumpoliert, ist niemand anwesend.
„Guten Tag, Matthias!“, grüßt Christiane forsch. Sie hat in dem jungen Mann sofort einen der Enkelsöhne von Ottilie Brumml erkannt. „Kann man hier einen Kaffee haben - und vielleicht ein Stück Kuchen dazu?“
„Nö!“ knurrt Matthias unwirsch. Sonst nichts. Er hebt nicht einmal den Kopf.
„Und warum nicht?“ So schnell lässt sich Christiane nicht abweisen.
„Weil die Kaffeemaschine hin ist - und weil Oma Brumml keinen Kuchen mehr bäckt“, bequemt sich der Mann  zu antworten.
„Dann bringen Sie uns einfach eine Radlerhalbe“, mischt sich jetzt Paul Buchbinder ein. „Und eine Brotzeit - das heißt, wenn das nicht zu viel verlangt ist!“ setzt er sarkastisch hinzu.
Matthias antwortet nicht. Er schenkt zwei Radlerhalbe ein, stellt sie vor die Gäste auf den Tisch und dreht dann ab in Richtung Küche, um die Bestellung für die Brotzeit weiterzugeben.
„Komischer Vogel!“, stellt Paul kopfschüttelnd fest.  „Man hat das Gefühl, Gäste sind ihm eher lästig als willkommen!“
„Sind sie auch!“, knurrt Matthias, der soeben wieder hereinkommt und Pauls Worte gehört hat. „Besonders, wenn sie hier bloß herumspionieren wollen!“
„Wie kommen Sie denn auf diese Idee?“ Christiane lässt sich nicht im Geringsten anmerken, dass sie sich ertappt fühlt.
„Na, Sie sind doch bloß reingekommen, weil Sie wissen wollen, was mit dem Laden von Oma Brumml ist - oder etwa nicht?“
„Stimmt!“, gibt Christiane ohne Weiteres zu. „Wir sind jetzt ein paar Wochen nicht hier gewesen, weil wir längere Zeit verreist waren. Heute wollten wir endlich wieder mal frisches Gemüse kaufen - und finden nur einen ominösen Zettel, dass das Geschäft bis auf weiteres geschlossen ist - mit mehr als fadenscheiniger Begründung.  Also - was ist passiert?“
„Sind Sie von der Polizei?“, erkundigt sich Matthias misstrauisch.
„Wir sind - oder besser: wir waren - Kunden Ihrer Großmutter - und sonst gar nichts."
„Na schön!“ Matthias gibt sich einen Ruck. „Es wird jetzt auch nicht mehr schaden, wenn Sie erfahren, was hier los war. - Also, vor ungefähr drei Wochen stand plötzlich so ein Mensch von der Lebensmittelkontrolle bei Oma Brumml im Laden. Er hat gewartet wie alle anderen Kunden auch, und nur alles genau beobachtet ...“
Er wird unterbrochen, weil in diesem Augenblick eine hübsche blonde Frau im Dirndlkleid - das Haar zu einem komplizierten Kranz geflochten -  mit einer üppigen Brotzeitplatte für die beiden Gäste hereinkommt. Mit einem freundlichen Nicken stellt sie den riesigen Teller  auf den Tisch und trollt sich wieder.
„Dieser arrogante Pinsel hat meine Oma runtergeputzt bis zum Gehtnichtmehr“, erzählt Matthias weiter, als die junge Frau wieder draußen ist.  „Weil sie die Wurst nicht in Papier eingewickelt, sondern den Kunden in die mitgebrachten Plastikbehälter getan hat. Weil sie die Milch offen aus Kannen verkauft - so wie sie es seit Jahrzehnten gewohnt ist. Weil sie keine Gummihandschuhe trägt und abwechselnd das Geld und die Ware anfasst. Anscheinend darf man das nach irgendwelchen komischen neuen Gesetzen nicht - ich habe keine Ahnung. - Na ja, und als er dann ganz hinten im Lagerraum noch paar staubige Bierflaschen entdeckt hat, war alles zu spät!“
 „Und was ist mit dem Ladenschlussgesetz, das Frau Brumml angeblich verletzt hat?“, unterbricht Christiane.
„Irgendwer muss diesem Mistkerl erzählt haben, dass Oma Brumml auch manchmal am Samstag Nachmittag oder am Sonntag ein Brot oder ein paar Eier verkauft hat!“, erzählt Matthias. „Sie ist eben so - wenn jemand an der Türe klingelt, dann macht sie auch auf - egal, um welche Zeit. - Wenn ich denjenigen erwische, der Oma Brumml verpfiffen hat - den tunke ich eigenhändig in die Mistgrube!“ Der junge Mann hat sich in Rage geredet.
 „Ich kann mir nicht helfen“, fährt  er schließlich fort, „aber ich habe den Verdacht, dass der schmierige Inhaber vom Supermarkt im Nachbarort dahinter steckt. Zwei Tage, nachdem der Kerl von der Behörde Oma Brummls Laden geschlossen hat, ist  nämlich von denen so ein fahrbarer Verkaufswagen aufgetaucht - der steht jetzt jeden Nachmittag genau gegenüber vom Dorfladen ...“
„Und - Tante Emma?“, will Christiane wissen - „ähm - ich meine natürlich Frau Brumml“, verbessert sie sich sofort. „Wie geht es ihr?“
„Oma Brumml hat das Haus nicht mehr verlassen,  seit dieser Behördenfuzzi den Laden versiegelt hat. Sie wohnt  genau oben drüber. Außer meinem Bruder und mir lässt sie niemanden rein. Sie isst und trinkt kaum noch was. Das letzte, was sie zu uns gesagt hat, war: „So, jetzt könnt ihr mir einen Sarg bestellen“.  Das war vor fünf Wochen. Seitdem - kein Wort mehr. Der Laden war ihr Leben - und das hat man ihr weggenommen ...“
„Ich werde herausfinden, ob Ihre Vermutung stimmt! Und wenn wirklich der  Geschäftsführer vom Supermarkt dahintersteckt, dann kriegt er Besuch - das verspreche ich Ihnen!“
„Ich will aber keinen Ärger!“ Der Wirt vom „Dorfkrug“ zieht die Schultern ein. „Ich hätte Ihnen das alles gar nicht erzählen sollen!“
„Keine Sorge -  ich verrate nicht, von wem ich meine Informationen habe!“ - So, und jetzt bringen Sie uns bitte die Rechnung. Wir fahren sofort zurück nach Hause, und dann werden wir mal sehen, ob Frau Brumml ihren Laden nicht wieder eröffnen darf - ohne blöde Vorschriften! - Übrigens - viele Grüße an Ihre Frau - die Brotzeitplatte war einfach ein Gedicht!“
 ********

Zwei Monate später ... 
In dem kleinen Dörfchen ist heute die Hölle los. Menschenmassen - Einheimische und Städter - drängeln sich zwischen den Bauernhäusern. Der „Dorfkrug“ ist restlos überfüllt - selbst auf den Bierbänken, die Matthias und sein Bruder draußen aufgestellt haben, ist kein freies Plätzchen mehr zu finden. All diese Leute wollen miterleben, wie Ottilie Brummls  Laden wieder eröffnet wird!
Ein Fotograf von der Zeitung rennt mit seiner Kameraausrüstung umher, um alles abzulichten, was ihm vor die Linse kommt. Zuallererst natürlich „Tante Emma“, vor Freude strahlend vor ihrem Laden, eingerahmt von prall gefüllten Kisten mit Obst und Gemüse, und zwei Zinkeimern. In dem einen stehen riesige  Sonnenblumen, der andere enthält bunte  Bauernsträuße.
 Links von der alten Bäuerin stehen Christiane und Paul Buchbinder - die Ehrengäste des heutigen Tages. Auf der anderen Seite haben sich Ottilie Brummls Enkelsöhne postiert.
Einer von Christianes ehemaligen Redaktionskollegen hat schon ein Interview auf Band aufgenommen - das kommt morgen früh in die Zeitung. Sogar der lokale Rundfunksender hat ein Aufnahmeteam geschickt.
********
Nach ihrem Besuch im „Dorfkrug“ vor zwei Monaten hat Christiane auf der Stelle ihre ehemaligen Kollegen in der Zeitungsredaktion alarmiert. Die haben bei ihren Recherchen Erstaunliches herausgefunden - und sofort Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
Matthias‘ Verdacht war nämlich nicht unbegründet.
Der Inhaber des Supermarktes im Nachbarort hatte versucht, die Bauern der umliegenden Höfe dazu zu bringen, ihre Produkte nicht mehr an Ottilie Brumml, sondern an seinen Laden zu liefern. Damit er mit „erntefrischem Obst und Gemüse“ bei seinen Kunden punkten konnte. Doch die Bauern weigerten sich kollektiv.
So hatte der verbrecherische Kerl kurzerhand den Kontrolleur der Lebensmittelaufsicht mit einem üppigen „Backschisch“ dazu gebracht,  Ottilie Brummls Laden dicht zu machen - Gründe findet man schließlich immer, wenn man danach sucht! Ganz nebenbei stellte sich noch heraus, dass er sich auch in der Supermarktkasse „bedient“ - sprich: Geld geklaut hatte.
Nun sitzt der Mistkerl in U-Haft und wartet auf seinen Prozess - während Tante Emmas Dorfladen von den Kunden regelrecht überrannt wird. Immer wieder knattert  Korbinian mit seinem uralten Bulldog durch die Hauptstraße, im Schlepptau einen Hänger, vollbeladen mit frischem Obst und Gemüse, das er von den umliegenden Bauernhöfen holt. Sein Bruder, Ottilie Brumml und Christiane Hofbauer stehen hinter dem Ladentisch, angetan mit Gummihandschuhen, und verkaufen, was das Zeug hält.
Paul Hofbauer bedient die Registrierkasse. Schließlich muss ja alles seine Ordnung haben ...
 
 
© Christine Rieger / 2017
 

 
 
 
 
 
 

Mittwoch, 7. Juni 2017

Autorenlesung - Bericht

Liebe Freunde meines Lesebuchs,
 
jetzt wird es aber Zeit, dass ich Bericht erstatte - von meiner allerersten Autorenlesung ...
 
 
Das bin ich - in "Action"
Foto: Copyright Christine Rieger
 
 
Zuerst einmal danke ich allen, die mir dafür die Daumen gedrückt haben - und ich kann Euch sagen: es hat geholfen!
 
Die "Gschichtenbastler" - meine Autorenkollegen aus Rosenheim unter Leitung von Inga Scheer - haben meinen Mann und mich mit offenen Armen empfangen. Wir haben uns sehr wohl gefühlt, und unsere gemeinschaftliche Lesung war ein voller Erfolg.
 
Das Publikum war ungeheuer aufmerksam - man hätte in dem Raum eine Stecknadel fallen hören können!
 
Dass ich keine Bücher verkauft habe, hat dem Spaß keinen Abbruch getan - es war trotzdem eine sehr interessante Erfahrung!
 
Vielen herzlichen Dank an Inga Scheer und die "Gschichtenbastler", sowie an Frau Baumgartner vom Bürgertreff in Raubling -  für die exzellente Vorbereitung der Autorenlesung und die nette, aufmerksame Betreuung. Und natürlich nicht zu vergessen: an das Publikum!
 
Herzliche Grüße
Eure Geschichten-Erzählerin   

Donnerstag, 1. Juni 2017

Diesmal nur ein Pläuschchen ...



Liebe Freunde meines Lesebuchs,

dieses Mal ist mein 150. Post an der Reihe - ich kann es selbst kaum glauben! Aber das Zählwerk behauptet es. Also wird es schon stimmen ... 


Leider kann ich Euch zu diesem Jubiläum nicht einmal
mit einem eigenen Beitrag erfreuen. Ich habe es zeitlich einfach nicht geschafft. Obwohl ich seit langem eine Geschichte im Kopf hätte - aber so weit habe ich meinen Laptop noch nicht, dass er Gedanken lesen und diese niederschreiben kann. Schade eigentlich! Aber wer weiß - vielleicht kommt das ja eines Tages noch - bei all dem technischen Fortschritt ...
Die meisten von Euch werden inzwischen wissen, dass ich mein erstes Buch unter die Leute gebracht habe. Und nun bin ich eingeladen worden, am kommenden Freitag bei einer Autorenlesung in der Nähe von Rosenheim als Gast-Autorin einige Geschichten aus meinem Buch vorzulesen! Was für eine Herausforderung!
Nun ja, in diesem Zusammenhang musste ich mich erst mal um ein Zimmer kümmern - und natürlich um Bücher  (in der Hoffnung, vielleicht eins oder zwei zu verkaufen ... **grins**). Neben all den anderen Vorbereitungen, die man für einen Kurz „Urlaub“ so treffen muss. Da fehlte mir begreiflicherweise der Elan, auch noch eine Geschichte niederzuschreiben!
Aber es muss niemand neidisch werden - von einem Triumphgefühl bin ich nämlich meilenweit entfernt! Im Gegenteil - das Lampenfieber steigt stetig! Zumal ich ja nicht die einzige bin, die ihre Geschichten vorlesen darf, sondern „Konkurrenz“  von fünf weiteren ortsansässigen Autoren habe. Und die haben entschieden Heimvorteil!
So, jetzt habe ich ja doch  (fast) alle Reizwörter in meinem Plauderstündchen untergebracht - bis auf eins - „provozieren“. DAS  passte nun aber wirklich nirgends hin - ich hoffe, Ihr könnt mir verzeihen!
Ich wünsche Euch allen ein wunderschönes und hoffentlich sonniges Pfingstfest - und wenn ich wiederkomme, mache ich  mich SOFORT an die Geschichte für den 15. Juni. Versprochen!
Liebe Grüße
Eure Geschichten-Erzählerin
Seht doch einfach mal bei meinen lieben Kolleginnen
  Lore


nach  - vielleicht gibt es ja dort eine Reizwortgeschichte zu lesen!

Montag, 15. Mai 2017

Muttertag mal anders ...


Liebe Freunde meines Lesebuchs,
 
gestern war bekanntlich Muttertag - einer von diesen Festtagen, die von manchen Müttern heiß geliebt, von anderen aber ebenso verabscheut werden.
 
Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Ich habe, wie Sarah, (eine der Protagonistinnen in meiner heutigen Geschichte), ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Feiertagen aller Art - sei es nun Weihnachten, Ostern, Mutter- oder Vatertag. Eben allen diesen erzwungenen Festen mit Familienstress und Geschenkezwang ... und ich versuche, dem möglichst großräumig aus dem Weg zu gehen!
 
Aber - sei's drum - das ist meine persönliche Meinung. Wer mag, darf sich ja gerne von seinen Lieben feiern und verwöhnen lassen!
 
In meiner heutigen Geschichte geht es - dank der vorgegebenen Reizwörter 
 
 
Flieder - Muttertag - spitzbübisch - mitteilsam - knurren
 
 
natürlich auch um den Muttertag.
 
Vier Freundinnen, die sich seit ihrer Einschulung kennen, und mit diesem Festtag so ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben, beschließen, in diesem Jahr alles ganz anders zu machen ...
 
Aber lest selbst.
 
Viel Spaß - und bis zum nächsten Mal!
 
Eure Geschichten-Erzählerin  
 






Reizwortgeschichte 15.05.2017
 
Reizwörter: Flieder - Muttertag - spitzbübisch - mitteilsam - knurren
 
 
Muttertag mal anders ...
 
Sie waren das, was man „beste Freundinnen“ nennt. Seit dem Tag  ihrer Einschulung kannten sie sich  - Alina, Julia, Carolin und Jennifer. Gemeinsam hatten sie die Grundschule hinter sich gebracht, waren geschlossen auf die Realschule gewechselt, hatten zusammen gelernt und  sich durch die Abschlussprüfungen gekämpft. Doch dann trennten sich ihre Wege.

Carolin absolvierte eine Schneiderlehre und eröffnete danach einen Handarbeitsladen, in  dem sie alles verkaufte, was für die „Eigenproduktion“ von Kleidung notwendig war: Wolle, Stoffe, Nähgarn, Reißverschlüsse, Strick- und Häkelnadeln, Knöpfe, Borten, Spitzen,  und und und ... Sie veranstaltete regelmäßig Handarbeitskurse und stand ihren „Schülerinnen“ mit Rat und Tat zur Seite.

Julia heuerte bei der Polizei an und arbeitete mittlerweile bei der Drogenfahndung.

Alina durchlief eine Ausbildung bei der örtlichen Zeitung, leitete die Rubriken „Sport“ und „Lokales“, und hatte es inzwischen zur stellvertretenden Chefredakteurin gebracht. 

Nur Jennifer fiel aus dem üblichen Rahmen. Sie dümpelte mal hier, mal dort herum, versuchte es mit den verschiedensten Jobs (dank begüterter Eltern hatte sie es nicht nötig, unbedingt Geld  verdienen zu müssen), und war letzten Endes bei der Kunst hängen geblieben. Sie malte, töpferte, schrieb Theaterstücke und Filmdrehbücher, zeichnete Comics, stand gelegentlich selbst auf der Bühne, oder sie wirkte bei der Produktion von Hörbüchern mit - wie es sich eben gerade ergab. Und das alles mit mehr oder weniger regelmäßigem Einkommen, aber dafür sehr viel Freizeit.

Endlich hatten sie es wieder einmal geschafft, sich alle vier zu treffen - in ihrem Lieblings-Café in  einem sehr versteckten Winkel der Stadt. Das kannten die wenigsten - noch. Jennifer hatte es eines Tages bei ihren Streifzügen zufällig entdeckt, und dann ihre drei Freundinnen hierher gelotst. Seitdem trafen sie sich von Zeit zu Zeit hier. Der Kaffee schmeckte großartig (es gab in der ganzen Stadt keinen besseren, behauptete Jennifer), und die Torten waren ein Traum!

Die Verabredungen erfolgten über eines der sozialen Netzwerke, die in letzter Zeit wie Pilze aus dem Boden schossen. Eine von ihnen schlug einen Termin vor, und wer von den anderen Zeit hatte, kam. Es klappte hervorragend!

Allerdings geschah es äußerst selten, dass alle vier gleichzeitig aufkreuzten. Job und Familie ließen ihnen nur wenig Zeit für das eigene Vergnügen.

Außer Jennifer waren alle verheiratet und hatten Kinder  -  Julia eins, Alina zwei, und Carolin sogar vier. Jennifer dagegen hatte á la carté gelebt und geliebt, und ihre Partner häufiger gewechselt als ihre Freundinnen die Unterwäsche. Kinder? Um Himmels willen - dafür hätte sie ja ihre Freiheit aufgeben müssen!

Nachdem die Freundinnen sich ausgiebig begrüßt und ihre Lieblings-Torten bestellt haben, werden die Neuigkeiten der vergangenen zwei Monate ausgetauscht. War ihr letztes Treffen tatsächlich schon soooo lange her?

Jennifer führt - wie so oft - das Wort. Sie ist ungeheuer mitteilsam und wird nicht müde, von ihren Aktivitäten, ihren zahllosen Bekannten und ihren eingebildeten Krankheiten zu erzählen.

Die anderen drei hören eine ganze Weile schweigend zu - aber schließlich ergreift Carolin das Wort.

„Was macht ihr in diesem Jahr am Muttertag?“ fragt sie in die Runde - nur, um endlich ein anderes Thema aufs Tapet zu bringen, und die detailgetreue Schilderung von Jennifers neulich absolvierter Magen- / Darmspiegelung abzuwürgen. Das ist  ja nun weiß Gott kein Thema für einen Kaffeeklatsch - schon gar nicht in aller Öffentlichkeit!

Irritiert unterbricht Jennifer ihren Monolog.

„Gar nichts“, knurrt sie, ungehalten über die Unterbrechung. „Ich habe keine Kinder - also, warum soll ich Muttertag feiern?“

„Aber du hast doch eine Mutter!“, sagt Alina.

„Die mag diesen blöden Feiertag überhaupt nicht - sie fährt jedes Jahr um diese Zeit mit Papa in irgendein Kurbad. Recht hat sie!“

„Ich hasse den Muttertag eigentlich auch!“, gesteht Carolin. „Jedes Jahr ist das ein grauenhafter Stress - jedenfalls für mich!“

„Wieso?“, will Julia neugierig wissen.

„Also, bei uns läuft dieser Tag gewöhnlich so ab: Morgens um sechs springen alle vier Kinder auf mein Bett, wecken mich mit nassen Küssen, klatschen mir einen Strauß Flieder  auf den Bauch, den sie im Garten abgerupft haben, und erwarten auch noch, dass ich mich darüber freue! Vor zwei Jahren durfte ich anschließend mehrere Krabbeltiere aus meinem Bett sammeln, die sich in dem Grünzeug eingenistet hatten!

Im vergangenen Jahr hat meine bessere Hälfte  bei dem Versuch, mir den Kaffee ans Bett zu bringen, nicht nur die halbe Küche verpladdert, weil er vergessen hat, die KAlina unter den Filter zu stellen. Nein - er hat es obendrein fertig gekriegt, mir den schäbigen Rest, den er retten konnte, übers Nachthemd und die Bettdecke zu kippen. Weil er die Tasse nicht abgestellt hat, bevor er versucht hat, mich zu küssen! Mein Ältester kam mit meinem „Frühstück“ angetrabt - zwei Scheiben verkokelter Toast auf einem uralten Schinkenbrett, fingerdick mit Butter beschmiert (vermutlich, damit man das Angebrannte nicht so sieht), und ein Ei, für das ich einen Waffenschein beantragen musste. Das Ding war so hart - wenn es runtergefallen wäre, hätte heute das Parkett ein Loch!“

Die drei Freundinnen wiehern los. Die Schilderung Carolins ist aber auch zu komisch!

„Jetzt wundert mich nicht, dass du zu diesem „Festtag“ ein sehr gespaltenes Verhältnis hast!“, meint Alina mitleidig, als sie endlich wieder Luft bekommt. „Ganz so schlimm ist es bei uns zum Glück nicht mehr - meine beiden Jungs sind ja nicht mehr ganz so klein. Aber dafür fallen uns jedes Jahr unsere Mütter und Väter ins Haus und erwarten, dem Feiertag entsprechend bekocht und verwöhnt zu werden ...“

„Ich habe eine Idee!“, unterbricht Jennifer plötzlich.

Drei Augenpaare sehen sie fragend an.

„Wir feiern in diesem Jahr Muttertag mal anders!“

„Und wie stellst du dir das vor?“, will Alina wissen.

„Wir treffen uns am Abend vorher bei mir. Wir gehen zusammen essen, und dann könnt ihr alle bei mir schlafen. Platz ist genügend - meine Eltern sind ja nicht da. Am Muttertag veranstalten wir einen ausgiebigen Brunch, und wenn das Wetter es zulässt, schippern wir danach mit einem der Ausflugsboote über den Bodensee - so weit wir eben kommen ...  Kaffee und Kuchen gibt es an Bord, auch kleine Snacks ... - na, was haltet ihr davon?“

„Wow! Was für ein toller Einfall! Ich bin dabei!  In diesem Jahr darf mein Mann sich mal um unsere Mütter und Väter kümmern!“, meint Alina mit einem spitzbübischen Grinsen.

Ich auch!“, verkündet Julia sofort.
„Also - ich weiß nicht ... was sollen wir denn unseren Männern sagen?“, fragt Carolin zögernd.

„Erzählt ihnen einfach, ich hätte euch eingeladen“, schlägt Jennifer vor. „Immerhin ist das nur ein kleines bisschen gelogen. - Zu vorgerückter Stunde könnt ihr natürlich  nicht mehr Auto fahren, weil wir uns einen angetüddelt haben - das muss ja nicht wirklich stimmen!“ Verschwörerisch zwinkert sie ihren Freundinnen zu.  „Und wenn ihr bei mir euren Rausch ausgeschlafen habt, kommt ihr nach Hause. Dass ihr dafür den ganzen Tag braucht, könnt ihr doch vorher nicht wissen!“

„Auf so einen Einfall kannst wirklich nur du kommen!“ In Alinas Stimme klingt Hochachtung mit. „Also, seid ihr alle dabei?“

„Hm ... also ich weiß nicht ...“ Carolin ist immer noch skeptisch. „Das gibt mir irgendwie das Gefühl, ich hätte meine Familie im Stich gelassen ...“

„Du musst ja nicht - deine Teilnahme ist freiwillig!“, erklärt Jennifer.  „Wenn du statt einem fröhlichen Mädels-Tag lieber wieder das ganze „Mami-ich-hab-dich-soooo-lieb-Getue mit Käfern im Bett und Kaffee auf dem Bauch über dich ergehen lassen willst ...“ 

Das gibt denn Ausschlag.

„Also gut - ich komme auch!“, sagt Carolin entschlossen.

„Super!“ Jennifer winkt die Kellnerin heran und bestellt vier Gläser Champagner.

„Stoßen wir an - auf unseren „alternativen Muttertag“, verkündet sie fröhlich, und hebt ihr Glas.
 
© Christine Rieger / 2017
 

 
Bitte seht doch auch bei meinen Kolleginnen nach  - vielleicht gibt es ja auch dort eine Reizwortgeschichte zu lesen!