Mittwoch, 15. Februar 2017

Suchaktion

 
Liebe Freunde meines Lesebuchs,
 
diesmal war Frau Muse mir wohlgesonnen, und so bin ich beim heutigen Reizwortgeschichten-Tag wieder dabei.
 
Die Reizwörter, die dieses Mal zu verarbeiten waren, lauten:

Andenken - Topflappen - werfen - rosa - berühmt
 
Hanne will am Sonntag Abend zum Essen gehen. Sie hat sich bereits ein bestimmtes Outfit überlegt - aber die rosa Seidenbluse, die sie dazu tragen will, ist spurlos verschwunden. Was bei der Suche nach diesem Kleidungsstück passiert, erfahrt Ihr in meinem heutigen Beitrag ... 
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.
 
Eure Geschichten-Erzählerin.
 
 
 
Und hier findet Ihr die Beiträge  meiner Kolleginnen  
Lore   
Martina   
 
 
Suchaktion 
 
 
„Also, so geht das nicht weiter - ich muss unbedingt meinen Kleiderschrank aufräumen!“ Fluchend stopft Hanne die herausgefallenen Pullover zurück ins Regalfach und drückt die Türe zu, bevor ihr das nächste Teil entgegenfliegt.  
 
Die gesuchte rosa Seidenbluse, die sie morgen zum Abendessen beim Italiener anziehen will, ist nicht auffindbar. Wo ist die nur wieder hingekommen? Sie hat schon alle in Frage kommenden Verstecke, inklusive des Korbs mit der schmutzigen Wäsche, durchgekämmt. Doch die Bluse ist wie vom Erdboden verschwunden. Sollte sie die vielleicht in den Altkleidercontainer ...? 
 
In einem plötzlichen Wutanfall über ihre eigene Schlamperei reißt sie die Türe wieder auf und zerrt alles, was sich im Schrank befindet, heraus. Schon nach wenigen Minuten türmen sich auf dem Bett und auf dem Fußboden Berge von Röcken, Hosen, Kleidern, T-Shirts, Pullovern. Gerade will Hanne auch  die Unterwäsche hinauswerfen, als es an der Türe läutet. 
 
Auch das noch! Ausgerechnet jetzt! Diese vermaledeiten Paketboten haben wirklich ein Talent, immer im richtigen Augenblick zu klingeln! Entweder, wenn sie unter der Dusche steht,  auf der Toilette sitzt, oder mit fettverschmierten Händen in der Küche herumhantiert ... 
 
Hastig wirft Hanne einen Blick an sich herunter. Manchmal steigt sie zu Hause in ziemlich unorthodoxen Klamotten herum, in denen man nicht unbedingt jemandem unter die Augen treten sollte.  - „Naja, es geht“, denkt sie gnädig und schlappt zur Türe.
 
Es ist diesmal kein Paketbote, der Einlass begehrt. Es ist ...
 
Vreni - DU? -  Ich dachte, du bist in Montreal ...“
 
Das dachte ich auch! Störe ich?“
 
„Gott sei Dank störst du! Komm rein. Aber krieg keinen Schock -ich habe gerade einen Tobsuchtsanfall! - Wieso bist du nicht in Kanada?"
 
„Leon und ich haben uns getrennt!“
 
„Wie bitte? Ihr wolltet doch heiraten!“
 
„Er hat kalte Füße gekriegt. Wir waren beim Standesamt, um uns zu erkundigen, welche Papiere wir brauchen, weil Leon doch einen kanadischen Pass hat. Tja, und als wir rausgingen, eröffnete er mir, dass er es sich anders überlegt hat. Gestern Abend ist er mit der Bahn nach Amsterdam gefahren. Inzwischen müsste er in der Maschine nach Montreal sitzen. Tja - das war es dann wohl!“
 
„Und sein Job?“, will Hanne wissen.
 
„Gekündigt. Ohne ein Wort zu sagen!“
 
„Das darf doch nicht wahr sein! Dieser Schuft!“
 
„Ach, lass mal. Es hat eben nicht sein sollen“, bemerkt Verena lakonisch. „Wenn ich es mir genau überlege, haben wir sowieso nicht wirklich zusammengepasst. Wer weiß, wozu es gut war!“
 
Hanne starrt ihre Freundin an, als hätte sie eine Verrückte vor sich.
 
„Sehr traurig scheinst du ja nicht zu sein!“, stellt sie trocken fest.
 
„Geheult habe ich schon genug. Jetzt ist es an der Zeit, diese Geschichte abzuhaken. Also - auf zu neuen Ufern! - Ähm - sag mal, was soll denn das hier werden?“, fragt sie übergangslos. Sie ist Hanne ins Schlafzimmer gefolgt und starrt entgeistert auf das Chaos, das ihre Freundin dort angerichtet hat. „Schmeißt du Helmut raus - oder willst du ausziehen?“
 
„Weder - noch. Ich suche meine Seidenbluse!“
 
„Du meine Güte! Und du glaubst, in diesem Chaos findest du sie?“  Kopfschüttelnd beäugt Verena den riesigen Kleiderberg.
 
„Vermutlich nicht. Aber ich will die Gelegenheit nutzen, endlich mal aufzuräumen. Mir geht dieses Durcheinander nämlich selber auf die Nerven! Hast du nicht Lust, mir zu helfen, nachdem du schon mal da bist? Deine Schränke sind immer so übersichtlich!“
 
Das allerdings stimmt. Bei Verena herrscht eine geradezu pedantische Ordnung. Pullover und T-Shirts liegen - akkurat  zusammengefaltet und nach Farben sortiert - in den Ablagefächern. Auf jedem Kleiderbügel hängt eine zusammengehörige Kombination aus Rock oder Hose, dem dazu passenden Oberteil, Jacke oder Blazer und den  entsprechenden Accessoires. Sogar die Wäsche wird farblich getrennt - von den Schuhen im Wandschrank und den Handtaschen ganz zu schweigen.
 
Die Bücher im Regal stehen wie mit einem Lineal ausgerichtet. Wollmäuse unter dem Sofa, Berge getragener Kleidung auf dem Sessel, einen mit Zahnpasta „verzierten“ Badezimmerspiegel oder ein schmuddeliges Waschbecken - solche Dinge würde Verena niemals dulden.  Sogar die Teppichfransen werden mit einem ausrangierten Kamm gerade gestriegelt.
 
Überhaupt ist sie im gesamten Freundeskreis dafür berühmt, dass zu jeder Tages- oder Nachtzeit der Fotograf einer Wohnzeitschrift an der Türe klingeln könnte, um seine Aufnahmen zu machen.  Bei ihr selbst dagegen  - oje ...
 
„Ich helfe dir gerne - sofern ich vorher zur Stärkung eine Tasse Kaffee kriege!“, erklärt Verena bereitwillig. „Zeit habe ich ja jetzt reichlich. - Nebenbei - wo ist Helmut überhaupt?“
 
„Kegelausflug“, antwortet Hanne. „Der kommt heute vor Mitternacht garantiert nicht wieder!“ 
 
Nachdem die Frauen ihren Kaffee getrunken haben, machen sie sich an die Arbeit.
 
Verena besteht darauf, dass zuerst die Schrankfächer feucht ausgewischt werden, bevor die Kleider wieder hineinkommen. Da ist sie eigen. Zähneknirschend fügt Hanne sich. Sie hasst solche Arbeiten wie der Teufel das Weihwasser. Aber sie will es sich mit Verena nicht verderben - schließlich ist sie heilfroh über deren Unterstützung.
 
Die Freundin ist bereits dabei, sich durch den Kleiderberg zu wühlen.
 
„Kein Wunder, dass dein Schrank aus allen Nähten platzt“, meint sie kopfschüttelnd. „Da sind ja richtige Antiquitäten dabei! Das da zum Beispiel!“ Grinsend hält sie orangefarbene Hotpants aus Jersey in die Höhe, vorne mit goldenen Knöpfchen verziert. „Die kannst du doch höchstens kurz nach deiner Geburt zuletzt getragen haben!“ 
 
„Hm. Lass mich  mal überlegen. Hanne muss nun doch lachen. „Das muss so mit zwanzig gewesen sein - da war so was modern ...“
 
„Und da hat die dir gepasst?“  Verena mustert mit einem bezeichnenden Blick die inzwischen recht füllige Freundin.
 
„Ja, denkst du, ich war schon immer so fett?“ empört sich Hanne.
 
„Quatsch. Sei doch froh, dass du nicht so dürr bist - dir sieht man wenigstens dein Alter nicht an, weil deine Falten  gut gepolstert sind!“ - Aber nun probier mal das ganze Zeug der Reihe nach. Was  aus der Steinzeit stammt oder nicht mehr passt, fliegt raus. Danach werden wir sehen, was man am besten miteinander kombinieren kann ...“
 
„Vorausgesetzt, es bleibt überhaupt was übrig!“, seufzt Hanne.
 
Drei Stunden später. Mittagszeit.
 
Hanne bestellt bei ihrem Lieblings-Italiener Pizza und eine Flasche Rotwein für sie beide. Gut gesättigt und sehr beschwingt (dem Rotwein sei Dank), gehen die Freundinnen danach wieder an die Arbeit.
 
Unter viel Gelächter probiert Hanne zahllose Einzelteile an. Hosen, die sie kaum noch über die Knie hochziehen kann. Ein uralter Karorock, bei dem der Bund zehn Zentimeter auseinanderklafft. Ein anderer bedeckt kaum den Po - egal, wie sehr sie daran zieht und zuppelt. T-Shirts, in denen Hanne aussieht wie eine zu fest gestopfte Wurst. Verwaschene Blusen, deren Farbe man nur noch an den Nähten erkennen kann. Ein Pullover mit aufgeplatzter Naht ...
 
Der Berg ausrangierter Kleider wird größer und größer. Und nicht nur das. Zwischen dem ganzen Zeug taucht so manches wieder auf, das Hanne seit Monaten vermisst hat. Die gelben Topflappen in Sonnenblumen-Form zum Beispiel. Hanne wollte sie immer in ihrer Küche aufhängen - als Andenken an ihre vor drei Jahren verstorbene Mutter.  Ein nagelneuer Bügelbrettbezug, an den sie nicht einmal mehr gedacht hat. Das Hippiekostüm vom vorletzten Faschingsball. Eine Tüte mit Gardinenröllchen - seit zwei Jahren unauffindbar. Und - ganz zum Schluss, auf einem Kleiderbügel, unter fünf T-Shirts, die gesuchte rosa Seidenbluse. Zerknittert, als hätte jemand drei Nächte darauf geschlafen.
 
„Lieber Gott, Hanne - wie kannst du nur so leben?“ Das Entsetzen in Verenas Stimme ist nicht zu überhören. „Mich würde  so ein Chaos in meinen Schränken in den Wahnsinn treiben!“
 
„Dabei räume ich so oft auf!“, protestiert Hanne.
 
„Ach was. Deshalb suchst du ja schon seit zwei Jahren deine Gardinenröllchen!" spottet Verena.  „Also, so weit scheint es mit deiner Ordnungsliebe dann doch nicht her zu sein!“
 
„Und was machen wir jetzt?“ Wohlweislich ignoriert Hanne den Tadel ihrer Freundin.
 
„Am besten, wir versenken den ganzen Kram draußen im Altkleider-Container!“ schlägt Verena vor. „Das meiste davon ist  - sei mir bitte nicht böse - zu schäbig, um es noch auf dem Flohmarkt zu verkaufen!“
 
Hanne hätte am liebsten geheult. Es fällt ihr unglaublich schwer, sich von ihren gesammelten „Schätzen“ zu trennen. Immerhin haben  diese Sachen alle mal einen Haufen Geld gekostet ... Aber sie sieht ein, dass Verena Recht hat. Diese Kleider kann und wird sie nie mehr tragen.
 
„Also schön! Machen wir uns daran, das was übrig ist, wieder in den Schrank zu hängen. Mir tun allmählich die Füße weh. Hunger habe ich auch schon wieder!“ Hanne schnappt sich das nächstliegende Teil und will es einfach ins Regalfach hineinwerfen.
 
„Nichts da!“,  protestiert Verena.  „Jetzt machen wir wirklich Ordnung!“
 
Sie nimmt eine schwarze Hose, hängt sie penibel auf einen Bügel. Mit geübtem Blick klaubt sie aus dem Kleiderstapel einen türkisfarbenen Pullover und  eine ärmellose schwarze Wildlederweste mit Fransen. Dazu kommt ein passendes Halstuch und eine Kette mit schwarzen und türkisfarbigen Perlen. Fertig. Befriedigt hängt sie die Kombination in den Schrank und nimmt sich das nächste Teil vor.
 
Eine knappe Stunde später wirkt der Kleiderschrank wie die Auslage einer Boutique. Hanne ist begeistert.
 
„Klasse!“, schwärmt sie. „Jetzt muss ich nur noch einen einzigen Kleiderbügel aus dem Schrank holen und habe alles, was ich brauche. Du bist ein Schatz!“ Dankbar umarmt sie ihre Freundin.
 
„Ich bin mal gespannt, wie lange das so ordentlich  bleibt!“, meint Verena trocken. Sie kennt ihre Pappenheimer.
 
„Das bleibt so!“, verspricht Hanne hoch und heilig. „Ich zahle freiwillig für jedes Teil, das wieder nicht an Ort und Stelle hängt, fünf Euro ins Sparschwein. Das ist ab sofort meine „Schlamper-Kasse“. Du darfst mich beim Wort nehmen!
 
„Und wenn die voll ist, machen wir zusammen Wellness-Urlaub“, lacht Verena. „Ich denke, ich kann schon mal ein Hotel buchen - in spätestens drei Monaten ...“
 
 
© Christine Rieger / 2017
 

Mittwoch, 1. Februar 2017

Heute keine Geschichte ...

Liebe Freunde meines Lesebuchs, 
dieses Mal habe ich leider keine neue Geschichte für Euch. 
 

Folgende Reizwörter waren vorgegeben:
Vogelvilla - Zombie - lächeln - rufen - frei
 
 
Bei diesen Reizwörtern musste ich passen -
die Muse hat mich im Stich gelassen!
Woran es liegt, kann ich leider nicht sagen -
doch ich hatte keine Lust, mich noch länger zu plagen!
Aber schaut mal bei meinen Kolleginnen rein.
Vielleicht fiel ja ihnen etwas ein ...
 
Hier könnt Ihr nachsehen:
 
Lore   
Martina   
 
Viele Grüße, und bis zum nächsten Mal - hoffentlich!
Eure Geschichten-Erzählerin